Wenn aus Wellpappe Kunst wird

Am Anfang steht ein scheinbar widersprüchlicher Gedanke: großformatige Skulpturen schaffen – und dabei verantwortungsvoll mit Material umgehen. Die Bildhauerin Lina Marie Eickhoff hat darauf eine eigene Antwort gefunden: Wellpappe.

Seit mehreren Jahren arbeitet sie mit diesem alltäglichen Material, das sie von dem etablierten Familienunternehmen Otto Hampel GmbH und Co. KG in Remscheid-Lennep bezieht. Die Verbindung ist dabei mehr als rein materiell: Beide eint die Verwurzelung in der Region Bergisches Land sowie ein Verständnis von Nachhaltigkeit, das über den Werkstoff hinausgeht. Papierfasern können bis zu zwanzig Mal recycelt werden – doch auch Beziehungen und Netzwerke können nachhaltig wachsen. In dieser Zusammenarbeit verbindet sich Herkunft, Material und künstlerische Haltung. Der Weg zur Wellpappe war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit Verantwortung und Materialität. Als Bildhauerin bestand früh der Wunsch, großformatig zu arbeiten – gleichzeitig aber auch der Konflikt, Ressourcen zu verbrauchen und potenziell Abfall zu produzieren. Erste Experimente mit biologisch abbaubaren Materialien führten zwar zu neuen Erkenntnissen, rückten jedoch den Herstellungsprozess stärker in den Fokus als die künstlerische Arbeit selbst.

Ein Wendepunkt kam während der Corona-Zeit: Überquellende Papiertonnen durch den boomenden Online-Handel machten für die Bildhauerin ein Material sichtbar, das allgegenwärtig und doch oft übersehen wird. Die ersten Experimente folgten – und die Entscheidung, mit Wellpappe zu arbeiten, war gefallen.

Seither erforscht die Bildhauerin immer tiefergehend die besonderen Eigenschaften dieses Werkstoffs: seine Stabilität und gleichzeitige Fragilität, seine Vielschichtigkeit und Bearbeitbarkeit. Mit großer Präzision und handwerklicher Sorgfalt entstehen Objekte, die das Material neu denken lassen. Die sorgfältige Verarbeitung wird dabei selbst zur Aussage – als Übertragung auf den Umgang mit unserer Umwelt und unseren Ressourcen.

Die künstlerische Position ist dabei eng mit der persönlichen Biografie verbunden. Nach einem Studium der Sozialen Arbeit und vielen Jahren in sozialen Arbeitsfeldern wurde der Wunsch nach einem Ausgleich immer dringlicher: eine Tätigkeit, die weniger im Kopf stattfindet und stärker im Fühlen und im direkten Tun verankert ist. Die Arbeit mit den Händen wurde zum Ausgangspunkt für eine neue Form des Ausdrucks.

Heute versteht sich ihre Kunst als Einladung: innezuhalten, wahrzunehmen und in einer zunehmend digitalen und beschleunigten Welt wieder stärker in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

Die Zusammenarbeit mit der Firma Hampel bildet dabei einen wichtigen Baustein – als Materialquelle, als regionales Netzwerk und als Beispiel dafür, wie aus nachhaltigen Verbindungen neue Perspektiven entstehen.

Foto: rechts Bildhauerin Lina Marie Eickhoff, links Karola Stender (Teamleiterin Finanz- und Rechnungswesen Hampel)

 



Remscheider Wellpappenfabrik
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